Wie aus Jasmin eine Freie Rednerin wurde


Im Grunde beginnt diese Geschichte klassischerweise mit "Es war einmal...", denn ich hatte schon früh große Freude an Geschichten und wenn man mir diese erzählte.






Es war einmal...Die Geschichte der "kleinen Frau"


Eine ganz lebendige Kindheitserinnerung habe ich an die Geschichten meines Vaters. Er hat mir jahrelang selbsterfundene Märchen der „kleinen Frau“ erzählt. Die lebte bei uns ums Eck im Wald in einer kleinen Hütte an einer Waldlichtung. Zusammen mit allerhand Tieren aus dem Wald, um die sie sich sorgsam kümmerte, erlebte sie großartige Abenteuer. Sogar einen kleinen listigen Fuchs nahm sie bei sich auf, der es immer ein bisschen aufs Reh abgesehen hatte, aber natürlich nie ans Reh rankam, denn die kleine Frau passt sehr gut auf alle Tiere auf. Sie ging aber auch ganz alltäglichen Dingen nach und ging so auch regelmäßig mit dem Reh bei uns im Dorf zum kleinen Einkaufsladen um ihre Wocheneinkäufe zu erledigen.


Die Hütte gab es wirklich und den Laden natürlich auch. Ihr könnt euch vermutlich vorstellen wie aufgeregt mein kleines Kinderherz jedes Mal schlug, wenn wir zur Hütte spazierten und ich wieder einmal hoffte die kleine Frau dort zu treffen. Denn ich mochte sie unglaublich gerne und wäre so gerne mal ihr und dem Reh begegnet.

Aber sie war natürlich immer verreist, wenn wir an der Hütte vorbeikamen und der Zufall wollte es auch nie, dass ich ihr im Dorfladen über den Weg lief. So ein Pech.


Wie ich zur Geschichtenerzählerin wurde

Und dann kam irgendwann mal ein Tag, an dem mein Cousin genau an dieser Waldlichtung an der Hütte seinen Kindergeburtstag feierte. „Wow“, dachte ich, „der darf bei der kleinen Frau feiern?!“. Aufgeregt wie immer, klopfte ich an die Türe der Hütte. Und mein Onkel sah mich recht verwirrt an, als ich ihm erzählte, ich wolle sehen, ob die kleine Frau heute zu Hause sei und ob sie es erlaubt hätte, dass wir hier feierten. Da er die Geschichte nicht kannte, war die Antwort natürlich etwas verwirrend für mich. Denn er meinte, da wohne niemand und da stünden nur Geräte in der Hütte. Das ließ mich etwas an meinem Onkel zweifeln. Wie konnte er nicht wissen, dass dort die kleine Frau wohnte? Und einige Momente später, bekam mein Kindheitsglaube an die kleine Frau eine kleine Delle, als in mir ein kleines Licht begann aufzugehen.


Die Geschichten hatten allerdings in mir einen Samen gelegt, der keimte und ich wurde dann selbst zur Geschichten-erzählerin, als ich schreiben konnte. Ich liebte das Klackern der Schreibmaschine. So bekamen dann Tante und Onkel zu Weihnachten eine selbstgeschriebene Geschichte. Ich hatte Hefte voller handschriftlicher Kurzgeschichten und genügend Tagtraumgeschichten, die ich mir selbst erzählte. Und als ich dann in die fünfte Klasse kam, war eine der ersten Deutsch-Arbeiten ein Aufsatz, bei dem man aus drei Wörtern eine Geschichte schreiben sollte. Die Worte waren „Zwerg“, „Schwert“ und „Schloss“. Mein Stift flitzte übers Papier. Und ich bekam für den Aufsatz eine 1. Ich fühle es noch heute - ich war stolz wie Oskar.

Heute liebe ich Geschichten noch immer. Über die Jahre faszinierten mich zunehmend Geschichten, die direkt aus dem Leben kamen. Ich machte mir immer wieder viele Notizen zu Lebensgeschichten, die mir andere erzählten, weil sie oft zu schön waren um sie wieder zu vergessen.


Meine erste Begegnung mit einem wahren Künstler der Freien Rede

Und dann hörte ich vor einigen Jahren einen „Geschichtenerzähler“, wie ich nun einer geworden bin. Ein Freund meines Mannes verstarb viel zu früh und wurde in einer freien Beerdigung beigesetzt. Der Freie Redner dort beeindruckte mich nachhaltig. Die gesamte Trauerfeier war einfach nur wunderschön. Unglaublich persönlich, emotional und lebendig. Das Leben von Oles Freund wurde von dem Freien Redner in einer beeindruckenden Geschichte erzählt, die Musik war komplett passend gewählt und die ganze Beerdigung hatte nichts mit dem schweren und dunklen Abschied zu tun, den ich sonst bei anderen Beerdigungen bisher kennengelernt hatte. Und da dachte ich mir: Das will ich auch können. Den Menschen ehren und seine Geschichte so erzählen können, wie es der freie Redner dort konnte.


Mein Happy End ohne Ende - Ausbildung zur Freien Rednerin


Und so traf ich dann einige Zeit später auf meinen Ausbilder Martin Lieske. Ich würde mal sagen, er gehört definitiv zur Elite der Geschichtenerzähler und Freien Redner und ich bin zutiefst dankbar, dass ich von so einem Meister habe lernen dürften. Er hat mir das beste Rüstzeug mitgegeben, das ich habe bekommen können und mich fit gemacht, für die IHK-Prüfung. Und so wurde aus Jasmin nicht nur eine passionierte Geschichtenerzählerin, sondern eine gut ausgebildete Freie Rednerin mit IHK-Zertifikat. Ich bin unglaublich glücklich, nun eure Geschichten hören und erzählen zu dürfen – als Trau-Rednerin, Trauerrednerin oder Rednerin für euer Kinderwillkommensfest.


Und wenn sie nicht gestorben sind......dann erzählen sie noch heute wunderschöne Geschichten.


Habt einen tollen Tag und bis bald!




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